Das Mülsener Krippenspiel

Etwas ratlos saßen wir da, an diesem Freitagabend Anfang November.

Was zu Weihnachten sein würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen, und doch wussten wir, dass wir etwas tun wollten, um nicht am Ende absagen zu müssen oder den Bestimmungen hinterher zu rennen und immer wieder nachzujustieren. Also fingen wir an Ideen zu sammeln. Davon gab es reichlich, aber nur eine fand schnell so viel Begeisterung: Wir drehen ein Krippenspiel und bauen die Predigt auch gleich noch mit ein. Damit waren wir, was Hygienekonzepte betraf, auf jeden Fall auf der sicheren Seite. (Später wurde manches anders als geplant, weil schon vieles nicht mehr so möglich war, wie wir uns das gedacht hatten.)

Nun wurde ein Skript geschrieben, Drehorte ausgesucht, Spieler angefragt, Ton- und Bildtechnik organisiert und natürlich gedreht, Erzählerstimmen aufgenommen, alles bearbeitet und zu einem Film zusammengeschnitten. In allen Ortsteilen mit Spielern aus dem ganzen Mülsengrund wurde die Weihnachtsgeschichte lebendig. Rechtzeitig vor dem Lockdown. „Schade, dass wir dieses Jahr nicht an die Krippe gehen. Das fand ich immer am schönsten“, sagte ein kleiner Hirte nach dem Dreh zu mir. „Aber dafür hatten wir echte Schafe!“

Vieles war anders in diesem Jahr, aber wir konnten erleben, dass Gott auch ganz anders wirkt als bisher erlebt. Dank vieler Helfer hat jeder Haushalt im Mülsengrund einen Einladungsflyer für das Krippenspiel bekommen. Dank fleißiger Menschen konnte man das diesjährige Krippenspiel in den Kirchen, aber auch zuhause auf dem Sofa ansehen. Dabei war es egal, ob das Sofa in Mülsen, Berlin, Bad Muskau, Baden-Würtemberg oder Amerika stand. Gott hat in diesem Jahr sehr kreative Wege zu den Menschen gefunden und wir sind dankbar für all den Segen, den wir erfahren konnten. Mancher hat viele Stunden am Computer oder „am Set“ verbracht, aber es hat sich in vielerlei Hinsicht gelohnt. Die reinen Zahlen sagen uns, dass am Heiligabend rund 10.000 mal das Krippenspiel gesehen wurde. Ein viel größerer Grund zur Freude ist es aber, dass Familien miteinander das Video gesehen haben und Zeit füreinander hatten, dass Verwandte aneinander gedacht und von dieser besonderen Weihnachtsgeschichte weitererzählt haben, auch wenn sie durch viele Kilometer und Ausgangssperren getrennt waren, und dass die Weihnachtsfreude die Herzen so vieler erfüllt hat.

Sabrina Frank

17. Dezember 2020