Gottesdienst in Neuschönburg

Gottesdienste in Neuschönburg

Der Mülsener Ortsteil Neuschönburg hat keine eigene Kirche. Neuschönburg gehörte bis zur Vereinigung aller Mülsener Gemeinden zur Kirchgemeinde Ortmannsdorf.

1882 kaufte die Kirchgemeinde Ortmannsdorf-Neudörfel (Neuschönburg) das Grundstück für einen neuen Friedhof und erbaute dort eine Friedhofshalle, die 1968 durch die aktuelle ersetzt wurde. Der Glockenturm auf dem Neuschönburger Friedhof wurde 1951 geweiht. Die seitdem darin befindliche Bronzeglocke ist mehr als 450 Jahre alt. Nach ihrem ursprünglichen Einsatz im damaligen Rittergut in Neuschönburg läutete die Glocke in der Ortmannsdorfer Kirche bis 1923. Dann hatte sie einen Ehrenplatz im Eingangsbereich der Kirche. Sie sollte im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen werden, wurde aber nach dem Krieg wohlbehalten auf dem Hamburger Glockenfriedhof gefunden und der Kirchgemeinde 1951 zurückgegeben.

Die Neuschönburger Glocke ziert eine interessante, in einem altertümlichen Latein verfasste Inschrift. Sinngemäß übertragen lautet diese: „Gott sei Bürge, dass die Gemeinde durch dein Zeichen von einem gütigen Himmel gerettet werden möge und dass durch mich das Volk bei Unruhe, Gefahr oder Unwetter Gelegenheit zur Flucht haben möge.“ Über die Jahrhunderte hat diese Glocke zum Gebet gerufen, ob bei Freudenfesten wie Ostern, Hochzeiten und Taufen, oder bei traurigen Anlässen. Darüber hinaus wurde die Bevölkerung bei Unwettern gewarnt, bei Bränden mobilisiert. Viele Funktionen von Glocken werden heute durch andere Medien übernommen. Es bleibt aber: Immer ruft Gott uns mit den Glocken zum Gebet. Die Neuschönburger Glocke wird gegenwärtig nur noch zu Trauerfeiern geläutet und ruft dabei zum Gebet für die verstorbene Person.

1973/74 wurde auf dem Friedhof eine Kirchenbaracke aufgestellt, in der über viele Jahre monatlich Gottesdienste stattfanden. Heute werden in ihr Trauerfeiern abgehalten, vereinzelt treffen sich Kleinkreise. Regelmäßige Gottesdienste finden in der Baracke nicht mehr statt. Aber Dank der Möglichkeit, Gottesdienste auch außerhalb von Kirchengebäuden zu feiern, gibt es in Neuschönburg seit der friedlichen Revolution regelmäßig Gottesdienste zum Hasenfest und zum Start des Radlersonntags. Auch die Zirkus- und Pfadfindergottesdienste bringen Gottes Botschaft in neuem Rahmen, aber sicher nicht weniger ansprechend zu den Menschen. Gerade die Zeltgottesdienste erfüllen Jesu Auftrag „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker.“ (Mt. 28,19) besonders gut.

Christian Richter

1. Januar 2026